Freitag, 16. Juni: »Krankheit und Gesellschaft«

Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz
»Krankheit und Gesellschaft«
Freitag, 16. Juni 2017, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 04

Prof. Dr. Andreas Heinz
Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz

In Ihrer Arbeit „Krankheit als Metapher“ hat Susan Sontag die Projektion gesellschaftlicher Konstellationen auf Krankheitsbilder beschrieben. War das gesellschaftliche Ideal des 19. Jahrhunderts die rationale Akkumulation von Ressourcen, so galt damals die Tuberkulose als unmoralische (Selbst-) Verschwendung, während sich Ängste bezüglich ungezügelten Wachstums zu Ende des 20. Jahrhunderts in militärischen Metaphern für den Umgang mit Krebserkrankungen ausdrückten. In diesem Kontext werden immer wieder psychische Erkrankungen thematisiert, da hier (oft unreflektiert) davon ausgegangen wird, dass gesellschaftliche Normen und insbesondere statistische Häufigkeiten darüber entscheiden, was als krank oder gesund gelten könnte. Alternative Ansätze versuchen, Krankheit nicht als aus der Norm fallend und deshalb seltene Zustände zu beschreiben, sondern auf die Einschränkung generell lebenswichtiger Funktionsfähigkeiten und des damit verbundenen individuellen Schadens zu verweisen. Auch hier sind idealtypische Normbegriffe im Spiel, allerdings im Bereich der gesamten Medizin und nicht mit Bezug auf statistische Häufigkeiten. Damit ergibt sich die Frage, in wie weit ein solcher Krankheitsbegriff ebenfalls missbraucht werden kann, um gesellschaftliche Normen in Bezug aus Sorgfalt oder Selbstsorge zu verankern und Abweichungen davon zu pathologisieren.

1988 promovierte Prof. Heinz zum Thema “Regression bei Schizophrenen – ein pathogenetischer Begriff im historischen Wandel” an der Universität Bochum. Im selben Jahr erhielt er die Approbation von der Ärztekammer Berlin. Darauf folgte die Facharztausbildung in Neurologie an der Neurologischen Universitätsklinik Bochum. Von 1988-1994 studierte er Philosophie an der FU Berlin und der Universität Bochum mit dem Abschluss des Magister artium. Es folgte bis 1997 das Studium der Anthropologie ebenfalls an der FU Berlin und der Howard University in Washington DC. Zeitgleich beendete er seine Facharztausbildung in Psychiatrie 1995 an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der FU Berlin. 2014 beendete er seine philosophische Disseration zum Thema “Der Begriff der psychischen Krankheit” am Institut für Philosophie an der Universität Potsdam. Von 1997- 1998 war er Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik der Uni Bochum und habilitierte sich 1998 im Fach Psychiatrie an der FU Berlin mit dem Thema “Das dopaminerge Verstärkungssystem – Funktion, Verbindung zu anderen Neurotransmittersystemen und pathopsychologische Korrelate”. Von 1998-1999 erhielt er eine Freistellung zur Fortbildung in Sozialmedizin und zum Aufbau der Neurologischen Fachklinik Feldberg/MV in der Position des Chefarztes. 2000 erhielt er die Berufung auf die C3-Professur für Suchtforschung an der Uni Heidelberg. Von 1999-2002 war er leitender Oberarzt der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin. Seit 2002 ist Prof. Heinz Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, am Universitätsklinikum Charité, Campus Mitte in Berlin. Im Wintersemester 2014/2015 hat Andreas Heinz die Karl-Jaspers-Gastprofessor an der Universität Oldenburg übernommen.

Donnerstag, 01. Juni: »Die exotischen fernen Welten der extrasolaren Planeten«

Dr. Carolin Liefke
»Die exotischen fernen Welten der extrasolaren Planeten«
Donnerstag, 01. Juni 2017, 19 Uhr
KIP (INF 227), Hörsaal 02

Dr. Carolin Liefke
Dr. Carolin Liefke
Nicht erst seit der Entdeckung der ersten extrasolaren Planeten – Planeten also, die nicht unsere Sonne, sondern einen fernen Stern umkreisen – vor etwas über 20 Jahren treibt uns Menschen die Frage um, ob es irgendwo dort draußen im All weiteres Leben gibt. Schon die Vielfalt der Planeten und Monde des Sonnensystems führt uns allerdings vor Augen, dass die Erde in unserer kosmischen Nachbarschaft einzigartig ist. Tatsächlich ist es bisher auch nicht gelungen, unter den mittlerweile mehreren Tausend bekannten Exolaneten einen echten “Erdzwilling” zu finden, im Gegenteil: Oftmals herrschen auf diesen fernen Welten derart extreme Bedingungen, dass man bis vor kurzem noch nicht einmal geglaubt hätte, dass soetwas überhaupt möglich wäre. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf den aktuellen Stand der Exoplanetenforschung werfen – und einen weiteren in die Zukunft, wenn immer größere Teleskope uns mehr und mehr Details über diese ebenso bizarren wie faszinierenden Himmelskörper verraten.

Carolin Liefke hat an der Universität Hamburg Physik studiert und sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Hamburger Sternwarte in mit Themen wie stellarer Aktivität und Röntgenastronomie beschäftigt. Seit mehr als 15 Jahren ist sie in der astronomischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Im März 2010 hat sie diese Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seitdem am Haus der Astronomie in Heidelberg. Dort ist sie zuständig für die Astronomie-Ausbildung von Lehramtsstudierenden der Physik an der Universität Heidelberg und betreut astronomiebezogene Projekte für Schülerinnen und Schüler sowie die Teleskope der Einrichtung.

Wir freuen uns, Sie zu einem spannenden Vortrag begrüßen zu dürfen!

Donnerstag, 04. Mai: »Maß und Mitte oder Hang zu Extremen? -Das deutsche Parteiensystem vor der Bundestagswahl 2017«

Prof. Dr. Uwe Jun
»Maß und Mitte oder Hang zu Extremen? -Das deutsche Parteiensystem vor der Bundestagswahl 2017«
Donnerstag, 04. Mai 2017, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 04

Prof. Dr. Uwe Jun
Prof. Dr. Uwe Jun

Als Eröffnungsvortrag der diessemestrigen Reihe Extreme wird Prof. Dr. Uwe Jun das Thema aus politikwissenschaftlicher Sicht beleuchten. Gerade in der aktuell politisch sehr ereignisreichen Zeit ist eine differenzierte Betrachtung der Parteilandschaft und ihrer Entwicklung von Interesse. Stehen die Großparteien noch für den bewährten Kurs der Mitte? Welche Wähler und Inhalte repräsentieren die kleineren Parteien? Liegt deren Potenzial vermehrt bei extremeren Positionen, um Medienaufmerksamkeit und Wähler zu erreichen? Welchen Einfluss haben jüngste weltpolitische Entwicklungen auf das deutsche Parteiensystem? Setzen sich extremere Positionen wie wir sie in den USA, der Türkei oder anderswo beobachten, auch in Deutschland durch? Oder entsteht eine Gegenmobilisierung der Mitte? Unter dem Titel »Maß und Mitte oder Hang zu Extremen? -Das deutsche Parteiensystem vor der Bundestagswahl 2017« wird der Vortrag jüngste Entwicklungen des deutschen Parteiensystems vor der Folie der beiden Konfliktdimensionen -der sozio-ökonomischen und der sozio-kulturellen- behandeln.

Uwe Jun studierte Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie an der Universität Braunschweig und der Universität Göttingen, an welcher er 1993 mit dem Thema »Koalitionsbildung in den deutschen Bundesländern« promovierte. Nach seiner Promotion war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Zentrum für Europa- und Nordamerika-Studien der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen, sowie 1997/98 Weatherhead/Thyssen Research Fellow am Center for International Affairs der Harvard University in Cambridge/Ma. (USA). Er habilitierte 2003 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, wonach er 2004/2005 eine Professur an der Universität Würzburg inne hielt. Neben häufigen Lehraufenthalten an der Södertörns Högskola in Stockholm/Schweden vertritt er seit 2005 die Professur für »Regierungslehre – Westliche Regierungssysteme (Bundesrepublik Deutschland)« an der Universität Trier, an der er seit 2011 außerdem auch Dekan des Fachbereiches III. ist. Des Weiteren ist Jun Sprecher des Arbeitskreises »Parteienforschung der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft« und ist ist Herausgeber der Schriftenreihen »Parteien in Theorie und Empirie« und »Politik und Kommunikation«.

Wir freuen uns sehr, Sie zu einem Abend voll anregender Diskussionen in Heidelberg bergrüßen zu dürfen!

Neue Vortragsreihe: »Extreme«

Seit jeher üben verschiedene Extreme einen anziehenden Reiz auf den Menschen aus – sei es der Wunsch ungewisse neue Welten zu erkunden, zu fliegen, oder die persönlichen physischen und psychischen Grenzen zu überschreiten.

Doch woher kommt dieses scheinbar intrinsische Verlangen, in das Extreme vorzustoßen?

Was bewegt Menschen, sich bei sogenannten Extremsportarten mutwillig in teilweise lebensgefährliche Situationen zu bringen?

Wieso folgen Menschen extremen und radikalen politischen oder religiösen Gesinnungen?

Diesen und weiteren Fragen möchte das IDF mit der diessemestrigen Vortragsreihe Extreme auf den Grund gehen. Hierzu haben wir renommierte Referenten aus verschiedenen Fachgebieten (Politik, Psychologie, Religionswissenschaft, Astrophysik) eingeladen, um das Thema aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.

Wir werden uns Fragestellungen und Themen widmen, die sich mit dem Menschen als Individuum, aber auch mit dem Individuum in einer Gruppe von Menschen beschäftigen. Aber nicht nur menschliches Verhalten geht ins Extreme, auch der menschlichen Fokus zielt oft auf Extreme: immer wieder schaffen es vorallem Astrophysiker uns in den Bann des Ungewissen, der extremen Weite des Alls zu ziehen. Wir wollen daher in dieser Vortragsreihe auch die extremen Phänomenen der Natur -insbesondere in der Astrophysik- in einem Vortrag beleuchten.

Das Themengebiet Extreme bietet also viele spannende Facetten – wir hoffen, Sie und Euch in diesem Sommersemester bei unseren Vorträgen willkommen heißen zu dürfen und freuen uns auf anregende Diskussionen.

Beginnen wird die Reihe am 4. Mai mit einem Vortrag über die  Extreme in der Politik, referiert von Prof. Uwe Jun, der als Politikwissenschaftler an der Universität Trier lehrt. Genauere Informationen werden bald hier bekannt gegeben.

Donnerstag, 30. Juni: »Who wants to live forever? – Ethische Aspekte der Anti-Aging-Medizin«

PD Dr. Mark Schweda
»Who wants to live forever? – Ethische Aspekte der Anti-Aging-Medizin«
Donnerstag, 30. Juni 2016, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 1

PD Dr. Mark Schweda
PD Dr. Mark Schweda
 

Im Zeichen des demographischen Wandels rückt das Altern in den Fokus der modernen Medizin und Gesundheitsversorgung. Unter dem Schlagwort des „Anti-Aging“ ist sogar eine eigene medizinische Richtung aufgekommen, die sich ganz ausdrücklich den Kampf gegen das Altern auf die Fahne geschrieben hat. Die so genannte Anti-Aging-Medizin verfolgt das Ziel, die äußeren Anzeichen des Alterns zu kaschieren, die mit ihm häufig einhergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Funktionseinschränkungen zu verhindern oder gar das menschliche Leben insgesamt radikal zu verlängern. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Hintergründe und verbreiteten Formen des Anti-Agings und geht der ethischen Frage nach, ob und inwieweit das Altern überhaupt etwas ist, das wir bekämpfen sollten.

Mark Schweda studierte Philosophie und Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Freien Universität Berlin und der University of Nottingham (UK). Er promovierte am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin zum Thema “Entzweiung und Kompensation. Joachim Ritters philosophische Theorie der modernen Welt”. Es folgten Forschungsaufenthalte an der University of Lancaster, der Eberhardt Karls Universität Tübingen, der San Francisco State University (USA) sowie an der University of California, Berkeley (USA).
Seit Oktober 2015 arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen und forscht an bioethischen und sozio-kulturellen Aspekten des Alterns, bis hin zu ethischen Fragen der Organspende und Transplantationsmedizin.

Wir freuen uns sehr, Herrn Schweda am Donnerstag in Heidelberg begrüßen zu dürfen und sind gespannt, was er zu berichten hat!

Dienstag, 7. Juni: »Die versteckte Geometrie globaler Seuchen«

Prof. Dr. Dirk Brockmann
»Die versteckte Geometrie globaler Seuchen«
Dienstag, 7. Juni 2016, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 1

Die globale Ausbreitung neuartiger oder altbekannter Infektionskrankheiten wie SARS, MERS, H1N1 oder jetzt Zika ist ein wachsendes Problem in unserer immer stärker vernetzten Welt in der mittlerweile mehr als die Hälfte der Menschheit in Megacities lebt und mehr als drei Milliarden Menschen jedes Jahr auf dem weltweiten Flugverkehrsnetz unterwegs sind.

Krankheitsverbreitung an Berlin Tegel
Krankheitsverbreitung an Berlin Tegel

Die Komplexität unserer Mobilität führt dazu, dass geographische Ausbreitungsmuster schwierig vorherzusagen sind. Mit Hilfe moderner Netzwerktheorie kann man diese Komplexität entschlüsseln, wenn man die Idee der gegraphischen Entfernung aufgibt und durch sinnvollere Abstandsmaße ersetzt. Dann lassen sich auch moderne Ausbreitungsmuster gut vorhersagen und verstehen. Diese Idee der versteckten Geometrie moderner Seuchen konnte schon angewendet werden um z.B. die Importrisiken von Ebola zu berechnen.

Dirk Brockmann
Dirk Brockmann
 
Dirk Brockmann studierte an der Duke University in North Carolina (USA) und an der Georg August Universität in Göttingen Physik und Mathematik. Er promovierte in der theoretischen Physik und beschäftigte sich fortan mit komplexen nichtlinearen Systemen (Chaosforschung) und deren Selbstorganisation. Sei 2013 ist er Professor für theoretische Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und außerdem Projektgruppenleiter am Robert-Koch-Institut. Sein aktuelles Forschungsthema ist die epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten.

Mittwoch, 27. April: »Genomics alter Pathogene«

Dr. Dr. Verena Schünemann
»Genomics alter Pathogene: Neue Einblicke in die Geschichte von Pathogenen«
Mittwoch, 27. April 2016, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 01

Alte DNA Forschung an historischen Pathogenen ist ein neuer Weg Einblicke in evolutionäre Geschichte von Krankheitserregern und ihrer Anpassung an verschiedene Wirtsorganismen zu gewinnen. In Kombination mit neuesten Next Generation Sequenzierungstechniken können so potentielle Verursacher historischer Pandemien identifiziert werden und über genomweite Studien durch den Vergleich von historischen und modernen Pathogen Genomen die Entwicklung des jeweiligen Krankheitserregers über einen sehr langen Zeitraum nachvollzogen werden. Als Beispiel für ein historisches Pathogen wird in diesem Vortrag Mycobacterium leprae, der Verursacher der Krankheit Lepra, und seine evolutionäre Geschichte vom Mittelalter bis in die Neuzeit genauer vorgestellt.

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Verena Schünemann

Frau Dr. Dr. Verena Schünemann arbeitet derzeit als Gruppenleiterin und akademische Rätin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen im Fachbereich Geowissenschaften. Sie ist hier in der 2010 von Prof. Dr. Johannes Krause ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe für Archäo- und Paläogenetik tätig. Der Fokus der Arbeitsgruppe liegt auf der Analyse fossiler DNA aus menschlichen Überresten (altDNA) und der Untersuchung historischer Pathogene, über die Einblicke in die Evolution von Infektionskrankheiten gewonnen werden können. In den letzten Jahren konzentrierte sich Frau Schünemann im Rahmen verschiedener Projekte auf die Identifizierung und Charakterisierung verschiedener alter Pathogene, wie das Yersinia pestis Genom des Schwarzen Todes und das mittelalterliche Mycobacterium leprae Genom.

Neue Reihe: »Gesundheit & Krankheit«

Im neuen Sommersemester 2016 beschäftigt sich das interdisziplinäre Forum mit dem Thema »Gesundheit«.

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Leonardo DaVinci’s »vitruvianischer Mensch«

Wie haben sich Krankheitserreger entwickelt? Wie lassen sich Epidemien in mathematischen Modellen bechreiben? Mit welchen Mitteln wird in modernster Medizin gegen Krankheiten vorgegangen? Und wo sind die Grenzen von Gesundheit und »human enhancement«?

Wir freuen uns Ihnen spannende Referenten zu diesen und weiteren Fragen vorstellen zu dürfen. Weitere Informationen werden in der nächsten Zeit hier bekannt gegeben.

Donnerstag, 18. Februar: »Kreativität und Ästhetik in Kunst und Chemie«

Prof. Dr. Thisbe Lindhorst
»Kreativität und Ästhetik in Kunst und Chemie«
Donnerstag, 18. Februar 2016, 19 Uhr
Psychologisches Institut, HSII

Können wir Ästhetik und Eleganz in der Struktur chemischer Moleküle finden?

Lassen sich Brücken zur Architektur und Kunst schlagen?

»Die Chemie lebt mit Molekül-Strukturen. Ihnen wohnt ein ästhetischer Zauber inne, der sich über Fächergrenzen hinweg vermitteln und in den Kontext von Kunst und Architektur stellen lässt. Es kann sehr inspirierend sein, Parallelen zwischen den Formen der Moleküle und den Formen, die zum Beispiel in der Malerei zu Ausdruck kommen, zu ziehen. Moleküle können richtig schön sein, und Geschmackssache auch. Sie sind einfach oder kompliziert, fast versteinert oder lebendig und beweglich, um sich in ›andre, neue Bindungen zu geben‹ (H. Hesse).«, Thisbe K. Lindhorst

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Thisbe Lindhorst

Wir freuen uns sehr, zum vierten Vortrag in der Reihe »Ästhetik« Frau Prof. Dr. Thisbe K. Lindhorst begrüßen zu dürfen. Die Ästhetik in der Chemie wird von ihr anhand kreativer Beispiele ganz unkonventionell, ein bisschen biografisch und allgemein verständlich beleuchtet werden.

Somit ist jeder, ob fachfremd oder nicht, ganz herzlich eingeladen, sich einem vielleicht neuen Thema – oder auch einem altbekannten Thema auf neue Weise – zu nähern.

Thisbe Lindhorst studierte in München, Münster und Hamburg Chemie und Biochemie. Auf die Promotion folgte ein Forschungsaufenthalt an der University of British Columbia, an den sie die Habilitation in organischer Chemie über Kohlenhydrate und Dendrimere anschloss. Daraufhin wurde sie als Professorin für organische Chemie an die Universität Kiel berufen. Thisbe Lindhorst erhielt verschiedene Preise in der Chemie, ist im Beirat des Leibnitz-Instituts für Pflanzenbiochemie und des Max-Plank-Institutes für Kolloid- und Grenzflächenforschung und außerdem Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Donnerstag, 28. Januar: »Was heißt es, von der Ästhetik eines Kunstwerks emotional bewegt zu sein?«

Prof. Dr. Winnfried Menninghaus
»Was heißt es, von der Ästhetik eines Kunstwerks emotional bewegt zu sein?«
Donnerstag, 28. Januar 2016, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 04

Unser nächster Vortragender wird Winnfried Menninghaus sein – bekennender Romantiker, Leiter des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik, er kann ein Buch über 14 Verse Hölderlins füllen und hat eines mit dem Titel »Lob des Unsinns« veröffentlicht – man darf gespannt sein, welche Perspektiven uns dieser Rundum-Ästhet (mit leichten Einstein-Ähnlichkeiten) aufzeigen wird.

Winfried Menninghaus
Winfried Menninghaus

Menninghaus studierte Philosophie, Neuere Deutsche Literatur und Politikwissenschaft in Marburg und auch hier in Heidelberg. 1979 promovierte er zur Theorie der Sprachmagie, wagte sich dann für einige Zeit aus dem universitären Kokon heraus und arbeitete als Lektor und freier Mitarbeiter beim Suhrkamp Verlag.

Die Wissenschaft schien jedoch alsbald schon wieder zu rufen, bzw. die Uni Berlin rief – es folgten ensprechend 1986 die Habilitation und kurze Zeit später die Professur (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften) an der FU Berlin im renommierten Peter-Szondi-Institut.

Bonn, Yale, Princeton, Berkeley und ein paar andere Universitäten folgten – you name it. Menninghaus war in der Zwischenzeit damit beschäftigt das Exzellenzcluster »Languages of Emotion« mitzubegründen und beschäftigte sich bereits seit einigen Jahren mit den Themen Schönheit und Ästhetik.

Mit der Gründung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik 2012 und dessen Leitung hat die Ästhetikforschung eine neue Tiefe erhalten – das Institut ist hoch interdisziplinär, Menninghaus selber zeichnet verantwortlich für den Bereich Sprache und Literatur, aber am MPI wird auch aktiv an den Bereichen Musik und Neurowissenschaften geforscht; und der Vortrag auf den wir uns am Donnerstag, 28.01. freuen dürfen, beschäftigt sich allgemein mit der Frage »Was heißt es, von der Ästhetik eines Kunstwerk emotional bewegt zu sein?«