Alle Beiträge von Jannis Andrija Schnitzer

Humour in everyday talk

Kaum ist ein Vortrag vorbei, folgt auch schon der nächste!

(English version below)

Humor ist etwas Natürliches, das uns im Alltag ständig begegnet, ohne dass wir gesonderte Aufmerksamkeit darauf verwenden. Oft verwenden wir wie beiläufig humorvolle Bemerkungen, um unserem Gesprächspartner deutlich zu machen: wir sind ihm freundlich gestimmt und lassen uns gerne auf ein Gespräch mit ihm ein. Dieser positiv-konstruktive Einsatzbereich wiegt sicherlich in unserem Leben vor. Gleichermaßen kann aber auch mithilfe von Ironie oder Sarkasmus eine gewisse Spannung erzeugt werden, die je nach Kontext unterschiedlichen Zwecken dient: Einschüchterung, Provokation oder Herausforderung des Gegenübers, die durch die Wahl des Stilmittels Humor jedoch nicht als derart aggressiv intendiert sind, sondern einen Interpretationsfreiraum für etwaige Umdeutungen lassen.

Dieses Spektrum der Bedeutung von konversationellem Humor, das also ebenso breit wie für uns auch jeden Tag aktuell ist, zu beleuchten, ist Thema von Prof. Dr. Neal Norrick bei seinem Vortrag im Interdisziplinären Forum.

Neal Norrick
Neal Norrick

Norrick, seines Zeichens ein amerikanischer Linguist, bringt die besten Voraussetzungen mit, den Alltagshumor auf spannende und aufschlussreiche Weise für uns zu diskutieren: an sein Studium in den Vereinigten Staaten und an seine Promotion an der Universität Regensburg über Allgemeine Sprachwissenschaft schlossen sich mehrere wissenschaftliche Stationen in Deutschland und den USA an, wo er nach seiner Habilitation für einige Jahre lehrte und forschte, bevor er 1997 zum Professor für Englische Sprachwissenschaft in Saarbrücken berufen wurde. Dank seines großen Interesses an »Konversationellem Humor« konnte er auf diesem Gebiet mit wesentlichen Studien über »Conversational Joking« und »Humor in Interaction« wichtige Beiträge leisten. Daneben setzt er sich für die Publizistik seiner Disziplin ein und ist beispielsweise wissenschaftlicher Beirat des »Journal of Humor Research«. Als eines seiner größten Verdienste kann wohl der von ihm initiierte »Saarbrücken Corpus of Spoken English (SCoSE)«, eine beträchtliche Sammlung von Transkriptionen aus englischen Alltagsgesprächen und Scherzkommunikation, angesehen werden.

Wir beschließen unsere Vortragsreihe für dieses Semester also mit einem uns alle berührenden Thema, das die Interdisziplinarität ausweitet auf eine Interpersonalität, da jeder von uns »Humor in everyday talk« praktiziert und rezipiert. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag am Dienstag, den 29. Juli, um 19 Uhr c. t. im DAI (Deutsch-Amerikanisches Institut, Sophienstraße 12) mit Prof. Dr. Neal Norrick (Vortrag in englischer Sprache).


Humour is a natural thing, something we encounter every day without paying a lot of special attention. Oftentimes, we casually make humourous remarks. Our conversation partner then knows: we are well-disposed towards them and like to talk. This positive-constructive way of using humour is probably the most common in our everyday life. Much in the same way, we can use irony or sarcasm to build up a certain tension, which can serve different purposes: intimidation, provocation, challenge. By choosing the stylistic device of humour, the intention is at the same time not perceived as very aggressive, but leaves instead some freedom for interpretation.

This range of meanings of conversational humour, which is as broad as relevant to us every day, is the topic of Prof. Dr. Neal Norrick’s talk at the Interdisciplinary Forum.

Norrick is an American linguist and holds all qualifications to discuss everyday humour in an exciting and insightful way: after studying in the United States and obtaining his doctorate in general linguistics at the Universität Regensburg, his academic journey led him through Germany and the USA. After his habilitation he taught and researched there for some years before being offered the english linguistics chair in Saarbrücken. Thanks to his interest in conversational humour, he could make important contributions with his studies on »Conversational Joking« and »Humor in Interaction«. Apart from that, he supports his discipline’s journalism: For example, he is a member of the »Journal of Humour Research«’s scientific advisory board. One of his greatest merits is the initiation of the »Saarbrücken Corpus of Spoken English (SCoSE)«, which is a substantial collection of transcripts from English everyday conversations and humourous communication.

Thusly, we close this semester’s lecture series with a topic that concerns us all, and that extends interdisciplinarity to interpersonality, because everyone of us uses and hears »humour in everyday talk«. We are looking forward to an exciting lecture on Tuesday, July 29, at 19:15 in the DAI (German-American Institute/Deutsch-Amerikanisches Institut, Sophienstraße 12, 69115 Heidelberg) with Prof. Dr. Neal Norrick. The lecture will be held in English.

Freitag, 18. Juli: Die dunkle Seite des Humors

Im dritten Vortrag der Reihe Humor wird das Thema von einer ungewöhnlichen Seite aus beleuchtet.

Es ist uns eine Ehre, am Freitag den 18. Juli Dr. Michael Titze im IDF willkommen zu heißen. Der langjährige Psychotherapeut und Psychoanalytiker ist ein Experte im Bereich der therapeutischen Anwendung von Humor und der »Gelotophobie« – der Angst davor, ausgelacht zu werden.

Michael Titze
Michael Titze

Nach dem Diplomstudium der Psychologie promovierte Titze 1975 an der Uni Konstanz und absolvierte eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten und Psychoanalytiker. Seitdem war er als Beirat für verschiedene Zeitschriften aktiv, war Lehrbeauftragter der Fernuniversität Hagen und hält Seminare zur Fortbildung im Bereich der Lachforschung und des therapeutischen Humors. Seit 2010 ist er auch 1. Vorsitzender des HumorCare Deutschland – einer Institution, die sich der Lachforschung, Humoranwendung auf vielen Gebieten und der Vernetzung von Fachleuten verschrieben hat. Eine intensive Laufbahn also, die Michael Titze, wie die anderen Referenten des IDF auch, zu einer spannenden Persönlichkeit macht.

Thematisch wird sich der Vortrag mit der bemerkenswerten Materie der Gelotophobie, der Schadenfreude und der Humortherapie beschäftigen.

Welchen Effekt hat diese »dunkle Seite des Humors« auf unser Miteinander?

Warum tut es uns weh ausgelacht zu werden?

Wie lässt sich Humor praktisch, also in der Therapie, zum Vorteil anwenden?

Mehr dazu erfahren wir am Freitag, 18. Juli um 18 Uhr c.t.  im Hörsaal 14 der Neuen Universität (in deutscher Sprache).

»Unser Leben ist absurd!«

Der zweite Vortrag unserer Humor-Reihe wurde gleich von zwei Referenten, Künstlern, Literaten bestritten. Jakob Hein und Jürgen Witte sprachen, der Hitze und einem besagten Fußballspiel geschuldet, zwar zu einem kleineren Publikum als Appletree Rodden in seinem Einstiegsvortrag, doch man war auch ein wenig erleichtert, bei diesen Temperaturen genug Platz und vor allem Raum zum Denken und Verfolgen der erst theoretischen, dann praktischen Erläuterungen der beiden Gäste zu haben.

Jakob Hein und Jürgen Witte in Heidelberg
Jakob Hein und Jürgen Witte in Heidelberg

Was sie verband, war zunächst einmal das Buch »Deutsche und Humor: Geschichte einer Feindschaft«, das sie gemeinsam veröffentlicht hatten und das vor allem im theoretischen Teil des Vortrags, der sich Fragen wie »Was ist Humor?«, »Warum schätzen der Feuilleton und das Bildungsbürgertum beinah nur humorfreie Kunst?« und »tun sie das zu Recht?« widmete, zu ernsthaften, aber gleichzeitig auch immer wieder augenzwinkernden, eben humorvollen Darstellungen herangezogen wurde. Das schwierige Verhältnis der Deutschen zum Humor – der vom Bildungsbürger als profanes, niveauloses Kulturgut oft nicht mehr als belächelt wird, da dieser ja »nicht einfach mal so lachen« kann, sondern eben nur zu angemessener Zeit, wenn man sich sicher sein kann, dass diese Art von Humor dem Status-angemessenen Niveau entspricht – steht auch im Zusammenhang mit dem schwierigen Verhältnis der Kunst zum Humor allgemein, auch wenn andere Nationen sich mit der Anerkennung der Komik in der Kunst nicht so schwer tun wie die unsere; aus England und Amerika kamen in den 50er Jahren die Inspirationen für die von den Deutschen dann doch so geliebten Cartoons eines Vicco von Bülow – Loriots. Aber was ist nun der große Makel des Humors für die Kunst? Witte gab als Antwort: »Kunst will elitär sein.« Und beständig. Und das ist Humor zunächst einmal kaum. Blickt man zurück in die Geschichte deutscher Kunst, findet man nur wenig Humorvolles, das es zu den Klassikern geschafft hat; Witte kommentierte das trocken: »Goethe und Schiller sind doch arg humorlos.« Und doch kann Humor sehr wohl elitär sein, ja man kann guten, überhaupt nicht niveaulosen Humor erlernen, wenn man ihn nur in der Gesellschaft bedacht platziert und ihm nicht als einzige Messlatte die Publikumsquote oder die Auflagenzahl anlegt, welche ihn zur bloßen Marktware degradiert. Denn Humor ist weit mehr, wichtiger und vor allem komplexer als oftmals angenommen: Jakob Hein brachte Humor in Verbindung mit den äußersten Themen unserer Existenz, der Erkenntnis, dass das Leben absurd ist und wir alle sterblich – Tatsachen, die die ernsthafte Kunst meist nur abbildet, das Dilemma, den Schrecken aufzeigt, denen aber der Humor ins Auge zu blicken, ihnen sogar Heiterkeit und Energie abzugewinnen wagt. Und weiter: Humor sei die bewusste Hinwendung des Geistes zu den Fesseln der Realität, das Aufzeigen von Rissen in diesem undichten Korsett des beständigen Erklärenmüssens; da Humor eben nicht erklärbar, eben nicht sezierbar und auseinandernehmbar ist, lässt er uns atmen, wo uns der Drang, alles erklären können zu müssen, beinah die Luft abschnürt.

Im Praxis-Teil konnte die erlernte Theorie dann gleich bewiesen werden. Und natürlich waren die Texte, die zum Besten gegeben wurden, alles andere als bloße »Anschauungsbeispiele« wie zuvor angekündigt – das Publikum saß dann auf einmal in einer höchst amüsanten, definitiv nicht niveaulosen, grandiosen Lesung zweier begnadeter Künstler, selbstbetitelt »entschiedener Niederkulturproduzenten«, deren Geschichten und Lyrik oder auch »bierselige Alltagsschreibseleien« genau wie die Autoren selbst hinter- und scharfsinnig, ironisch, gewollt komisch und pointiert waren.

In der anschließenden Fragerunde konnten dann noch Unklarheiten geklärt und persönliche Leseempfehlungen gegeben werden; auf die Frage hin, ob Humor denn immer auf Kosten anderer sein müsse, antwortete Hein mit einem Text, der sehr definitiv zeigte, dass guter Humor (wenn auch zuvor erläutert wurde, dass Humor natürlich nicht immer zum Schaden eines anderen ist), wenn er auf Kosten eines anderen geht, zumindest stets auf die des objektiv Stärkeren zu gehen hat.

Der nächste Vortrag der Reihe »Humor« schließt sich thematisch passend an: Dr. Michael Titze spricht am Freitag, 18. 7., über Schadenfreude, Hohnlachen und Gelotophobie.

Donnerstag, 12. Juni: Humor in der Kunst

Nach dem überaus gelungenem Start der Vortragsreihe geht es nun in die zweite Runde. Ein neuer Vortrag, eine neue Perspektive – diesmal sogar mit zwei Referenten.

Es ist uns eine Freude, Jakob Hein und Jürgen Witte im Interdisziplinären Forum willkommen zu heißen. In ihrem Buch »Deutsche und Humor: Geschichte einer Feindschaft« analysieren sie die Ernsthaftigkeit von Humor in unserer Gesellschaft, und warum Humor in der Kunst diese Ernsthaftigkeit abgesprochen wird. Ein vielversprechender Blickwinkel auf das Leitthema der Vortragsreihe also.

Jakob Hein
Jakob Hein

Jakob Hein war lange Oberarzt an der Charité in Berlin, mittlerweile hat er sich als Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie niedergelassen. Seit 2001 hat er diverse Bücher geschrieben; außerdem ist er seit mehr als zwei Dekaden in einer Berliner Lesebühne aktiv.

Jürgen Witte
Jürgen Witte

Ebenso lange ist auch Jürgen Witte in einer anderen Lesebühne, »Der Frühschoppen«, ein wirkendes Mitglied. Seines Zeichens Schriftsteller und Journalist, ist er auch Herausgeber einer kleinen Literaturzeitschrift, welche sich selbst als »ein Kleinod zeitgenössischer Spaßkultur« beschreibt.

Was die beiden Literaten eint, ist die Schriftstellerei um humorvolle Aspekte – eine solide Grundlage also, um das Thema Humor aus einer literarischen und gesellschaftlichen Perspektive aus zu beleuchten.

Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag, der am 12. Juni um 19 Uhr c. t. in Hörsaal 14 der Neuen Universität (2. OG) stattfinden wird.

»Lachen ist ein Zeichen des Friedens«

»Das Gehirn ist ständig an der Schwelle zum Lachen, der leichteste neuronale Reiz kann es auslösen.«

»Unser Hirn ist die ganze Zeit nur dabei, den Lachimpuls zu hemmen.«

»Lachen ist ein Zeichen des Friedens; in Situationen von Stress, Anspannung oder Gefahr lacht man nicht«

Appletree Rodden vortragend

In einem übervollen Hörsaal 1 lauschten 180 Zuhörer dem Vortrag »Lachen, Humor und Gehirn« von Dr. Frank »Appletree« Rodden, der die neue Reihe Humor eröffnete. In seinen Ausführungen verknüpfte er die drei Leitbegriffe, grenzte sie voneinander ab und gab erste Einblicke in das weite Feld der »Humorforschung«, in dem Geistes-, Gesellschafts- und Naturwissenschaften eng zusammenarbeiten. Dabei betonte er die Schwierigkeit, Humor im Gehirn zu lokalisieren – die vielen offenen Fragen, denen die Wissenschaft noch gegenübersteht. Begeistert war er dann auch von den vielen Fragen aus dem Publikum, »Oh boy, so viele gute Fragen!« lobte er enthusiastisch. Von Humor und Depression über die kulturellen Gemeinsamkeiten (Lachen) und Unterschiede (Humor) bis hin zu evolutionären Überlegungen (Lachen als Friedensbotschafter) zielten sie in unterschiedlichste Richtungen und zeigten einmal mehr die ungemeine Interdisziplinarität des Themas. Wir bedanken uns bei Appletree Rodden und bei allen Besuchern, die diesen Abend zu der besten Eröffnungsveranstaltung gemacht haben, die wir uns wünschen konnten!

Die Folien von Appletrees Vortrag gibt es auch zum Download, zum genaueren Nachlesen.

Eröffnungs-Vortrag am 15. Mai: Lachen, Humor und Gehirn

Am Donnerstag, dem 15. Mai 2014, beginnt die Vortragsreihe »Humor« des Interdisziplinären Forums Heidelberg und wir freuen uns, Dr. Frank »Appletree« Rodden als ersten Referenten begrüßen zu dürfen.

Appletree Rodden

Der gebürtige Amerikaner wird uns einen spannenden Eindruck davon vermitteln, wie Humor und Lachen auf das Gehirn wirken und welche psychischen Konsequenzen hiervon ausgehen.

Rodden hat eine beeindruckende Laufbahn im Bereich der Neurologie hinter sich. Nach seinem Studium in Iowa arbeitete er zunächst als Post-Doc in der Neurochemie, danach kam er – nach einem Intermezzo als professioneller Balletttänzer in Kassel und Tel-Aviv – nach Deutschland und meisterte sein Staatsexamen der Medizin. In Marburg arbeitete er als Forschungsbiochemiker und Arzt der Neurochirurgie, seit letztem Jahr ist er in Zürich im psychiatrischen Bereich tätig.

Zweifellos ist Dr. Rodden eine facettenreiche Persönlichkeit. Als bewanderter Neurologe und mit seinen Erfahrungen im Bereich Humor ist er ein idealer Kandidat zur Eröffnung der Vortragsreihe.

Der Vortrag »Lachen, Humor und Gehirn« findet am Donnerstag, 15. 5. 2014, um 19 Uhr c.t. in Hörsaal 1 der Neuen Universität in deutscher Sprache statt.

Über die Entstehung von Anstand und Moral

Sommersemester 2012

  • Religion und Ethikbegründung
    Prof. Dr. Dr.h.c. mult. Gerd Theißen
  • Handeln Straftäter unmoralisch?
    Prof. Dr. Hans J. Markowitsch
  • Moralen im Plural? Anthropologische Reflexionen am Beispiel Arnold Gehlens
    Prof. Dr. phil. Karl-Siegbert Rehberg
  • Die Moral bei Sophokles
    Prof. Dr. phil. Egon Flaig
  • Warum Moral? Die Rolle der Moral im öffentlichen Diskurs
    Prof. Dr. iur. Dr. phil. Peter Koller

Das Ende der sozialen Marktwirtschaft?

Wintersemester 2011/12

  • Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit
    Prof. Dr. Dr. Franz Josef Rademacher
  • Profit ohne Moral – Gibt es eine Unternehmensethik der Marktwirtschaft?
    Dr. Dr. Thomas Rusche
  • Soziale Marktwirtschaft: Eine Diskussion
    Andreas Schirmer
  • Bedrohen die Finanzmärkte die soziale Marktwirtschaft? – Betrachtungen aus regulatorischer Sicht
    Dr. Stefan L. Pankoke