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Wie viel Vorhersage verträgt der Mensch?

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Im Rahmen unserer Vortragsreihe zum Thema “Grenzen|Horizonte” laden wir ganz herzlich zum ersten Vortrag des Wintersemesters 2018/19 ein.
Prof. Dr. Claus R. Bartram (Institut für Humangenetik Heidelberg) wird am Dienstag, den 23.10. um 19 Uhr c.t. im Großen Hörsaal des Mathematikons zum Thema “Wie viel Vorhersage verträgt der Mensch?” referieren.

Seit 2001 gilt das Genom des Menschen als entschlüsselt. Dies ist natürlich nicht der Fall, wie die zahlreichen neuen Erkenntnisse zum Aufbau und der Funktion unseres Erbgutes seither belegen. Von diesen Fortschritten profitiert insbesondere die Medizin. Damit verbunden sind aber auch ethische Probleme, beispielsweise im Kontext der pränatalen Diagnostik, der Analyse von Krankheitsdispositionen bei (noch) Gesunden (prädiktive Diagnostik) oder der Analyse des gesamten Genoms eines Menschen. Festzuhalten bleibt, dass der Mensch im Spannungsfeld von Umwelt und genetischer Konstitution stets mehr sein wird als die Summe seiner Gene.

Wir freuen uns sehr, dass wir für unseren ersten Vortrag mit Prof. Dr. Claus Rainer Bartram einen bedeutsamen und hoch engagierten Vertreter seines Faches gewinnen konnten.
Nach dem Studium der Philosophie und Medizin in Hamburg (1972-1978) und der Promotion am dortigen Institut für Humangenetik hat Claus Bartram die Facharztausbildung im Bereich der Kinderheilkunde in Düsseldorf und Ulm absolviert. Im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsaufenthalts an der Universität Rotterdam war er an wegweisenden Entdeckungen beteiligt, die wesentlich zum Verständnis der genetischen Grundlagen von Leukämien beigetragen haben und erst am Anfang einer beachtlichen Forscherkarriere standen. Zwei Jahre nach seiner Habilitation in der Pädiatrie wurde Bartram 1987 zum Universitätsprofessor in Ulm ernannt, wo er Leiter der Sektion Molekularbiologie war. 1993 wurde er auf den Lehrstuhl für klinische Molekularbiologie berufen und bekam den Facharzt für Humangenetik anerkannt. 1995 erhielt er einen Ruf nach Heidelberg und wurde Direktor des Instituts für Humangenetik. Darüber hinaus prägte er die Universität als Dekan der medizinischen Fakultät von 2004 bis 2014.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Erforschung der genetischen Entstehung erblicher Krebserkrankungen, insbesondere der im Kindesalter auftretenden akuten lymphatischen Leukämie. Weitergehend interessiert er sich für die ethischen Implikationen der humangenetischen Forschung, auch als Mitglied verschiedener Ethikkommissionen. Neben seiner außergewöhnlichen Forschungsleistung, die sich in über 400 Publikationen und zahlreichen Auszeichnungen wie dem Preis der deutschen Krebshilfe zeigt, war und ist er in vielen wissenschaftlichen Gremien tätig: Er war Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Humangenetik, Mitglied im Fachkollegium Medizin der deutschen Forschungsgemeinschaft und Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses der deutschen Krebshilfe. Seit 2004 ist er Mitglied der nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, wo er seit 2010 Obmann der Sektion Humangenetik und seit 2016 Mitglied des Präsidiums ist.