Kategorie-Archiv: Vortragsreihen

Neuroenhancement: Grenzen der Selbstoptimierung

Normann

Im Rahmen unserer Vortragsreihe zum Thema “Grenzen|Horizonte” laden wir ganz herzlich zum zweiten Vortrag des Wintersemesters 2018/19 ein.
Wir freuen uns Prof. Dr. Claus Normann, Direktor vom Institut für Psychiatrie der Universität Freiburg, für einen Vortrag zum Thema “Neuroenhancement: Grenzen der Selbstoptimierung” am 06.11.2018 im großen Hörsaal des Mathematikons Heidelberg um 19:00 c.t. begrüßen zu dürfen.

Unter Hirndoping oder Neuroenhancement versteht man den Gebrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten bei Gesunden mit dem Ziel, die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Besonders Menschen, die unter hohem Zeitdruck geistig anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen haben, sind in Gefahr, zu Hirndoping zu greifen; wie beispielsweise Studenten vor Prüfungen oder Hausarbeiten, Wissenschaftler oder Manager. Die genaue Prävalenz in Deutschland ist unklar, die wenigen dazu existierenden Untersuchungen gehen von 1-5% der arbeitenden Bevölkerung aus. Bei Medizinstudenten könnte die Prävalenz noch deutlich höher liegen. Die wissenschaftliche Datenlage zu Wirksamkeit und Sicherheit des Neuroenhancements ist erschreckend gering; es besteht die Gefahr, dass eine breite Anwendung die wissenschaftliche Evidenz überholt. Aus diesem Grund ist eine breite gesellschaftliche Diskussion über Nutzen und Gefahren des Neuroenhancement bei Gesunden geboten.

Wie viel Vorhersage verträgt der Mensch?

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Im Rahmen unserer Vortragsreihe zum Thema “Grenzen|Horizonte” laden wir ganz herzlich zum ersten Vortrag des Wintersemesters 2018/19 ein.
Prof. Dr. Claus R. Bartram (Institut für Humangenetik Heidelberg) wird am Dienstag, den 23.10. um 19 Uhr c.t. im Großen Hörsaal des Mathematikons zum Thema “Wie viel Vorhersage verträgt der Mensch?” referieren.

Seit 2001 gilt das Genom des Menschen als entschlüsselt. Dies ist natürlich nicht der Fall, wie die zahlreichen neuen Erkenntnisse zum Aufbau und der Funktion unseres Erbgutes seither belegen. Von diesen Fortschritten profitiert insbesondere die Medizin. Damit verbunden sind aber auch ethische Probleme, beispielsweise im Kontext der pränatalen Diagnostik, der Analyse von Krankheitsdispositionen bei (noch) Gesunden (prädiktive Diagnostik) oder der Analyse des gesamten Genoms eines Menschen. Festzuhalten bleibt, dass der Mensch im Spannungsfeld von Umwelt und genetischer Konstitution stets mehr sein wird als die Summe seiner Gene.

Wir freuen uns sehr, dass wir für unseren ersten Vortrag mit Prof. Dr. Claus Rainer Bartram einen bedeutsamen und hoch engagierten Vertreter seines Faches gewinnen konnten.
Nach dem Studium der Philosophie und Medizin in Hamburg (1972-1978) und der Promotion am dortigen Institut für Humangenetik hat Claus Bartram die Facharztausbildung im Bereich der Kinderheilkunde in Düsseldorf und Ulm absolviert. Im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsaufenthalts an der Universität Rotterdam war er an wegweisenden Entdeckungen beteiligt, die wesentlich zum Verständnis der genetischen Grundlagen von Leukämien beigetragen haben und erst am Anfang einer beachtlichen Forscherkarriere standen. Zwei Jahre nach seiner Habilitation in der Pädiatrie wurde Bartram 1987 zum Universitätsprofessor in Ulm ernannt, wo er Leiter der Sektion Molekularbiologie war. 1993 wurde er auf den Lehrstuhl für klinische Molekularbiologie berufen und bekam den Facharzt für Humangenetik anerkannt. 1995 erhielt er einen Ruf nach Heidelberg und wurde Direktor des Instituts für Humangenetik. Darüber hinaus prägte er die Universität als Dekan der medizinischen Fakultät von 2004 bis 2014.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Erforschung der genetischen Entstehung erblicher Krebserkrankungen, insbesondere der im Kindesalter auftretenden akuten lymphatischen Leukämie. Weitergehend interessiert er sich für die ethischen Implikationen der humangenetischen Forschung, auch als Mitglied verschiedener Ethikkommissionen. Neben seiner außergewöhnlichen Forschungsleistung, die sich in über 400 Publikationen und zahlreichen Auszeichnungen wie dem Preis der deutschen Krebshilfe zeigt, war und ist er in vielen wissenschaftlichen Gremien tätig: Er war Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Humangenetik, Mitglied im Fachkollegium Medizin der deutschen Forschungsgemeinschaft und Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses der deutschen Krebshilfe. Seit 2004 ist er Mitglied der nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, wo er seit 2010 Obmann der Sektion Humangenetik und seit 2016 Mitglied des Präsidiums ist.

Donnerstag, 28. Juni 2018 »#Metoo: Untiefen und Chancen einer Debatte«

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Im Rahmen unserer Vortragsreihe “Kontrolle” laden wir ganz herzlich zum nächsten Vortrag “#metoo: Untiefen und Chancen einer Debatte” von Prof. Paula Irene-Villa am 28.06.2018 um 19 Uhr c.t. im Hörsaal 7 der Neuen Uni ein.

#metoo war das medienpräsenteste Thema zwischen Oktober 2017 und März 2018. Unter dem hashtag wurde, wird noch, rund um das Thema ‚sexuelle Belästigung‘ Vieles, Verschiedenes, und zugleich miteinander Zusammenhängendes verhandelt. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche Herausforderungen und Chancen diese Debatte uns aufgibt. Denn an #metoo lässt sich gut beobachten, wie politische Debatten hier und heute im Allgemeinen funktionieren, und wie Kontrolle und Geschlecht im Besonderen verhandelt werden.

Prof. Paula-Irene Villa ist Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologie und Gender-Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie war Hochschulassistentin und Privatdozentin am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität Hannover und lehrte als Gastprofessorin u. a. an der Universität Innsbruck. Von 2010 bis 2012 war sie geschäftsführende Direktorin des Instituts für Soziologie der LMU München, von 2011 bis 2013 gewähltes Mitglied des Konzils der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) und seit April 2013 gewähltes Mitglied des Vorstands der DGS. Bis 2014 wurde sie zum Mitglied des Vorstands der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft Geschlechterstudien gewählt. Sie ist zudem in zahlreichen weiteren akademischen Funktionen tätig, u. a. in der Mitgliederversammlung des Deutschen Jugendinstituts. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Gender Studies, soziologische Theorien (insbes. Post-Strukturalismus, Postmoderne, Diskurstheorie (Sozial-)Konstruktivismus, Phänomenologie), Körpersoziologie, Kultursoziologie/Cultural Studies und Sozialisations- und Subjektkonzepte.

Donnerstag, 22. FEBRUAR 2018: »TRUMP, MIGRANTEN, GroKo: Wie die Wirklichkeit der Medien die Bilder in unseren Köpfen prägt«

Prof. Dr. Michael Haller
»Trump, Migranten, GroKo: Wie die Wirklichkeit der Medien die Bilder in unseren Köpfen prägt.«
Donnerstag, 22. Februar 2018, 19:00 Uhr c.t.
Neue Universität Heidelberg, Universitätsplatz 1, Hörsaal 14

IDF
Das Bild zeigt Prof.  Dr. Michael Haller 2016
Foto: Kreuzkam/HMS

Zum Vortrag:
Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Medien, lautet ein geflügelter Satz des Sozialforschers Niklas Luhmann. Doch wie entsteht diese Medienwirklichkeit, die unser Welt-Wissen, unsere politischen Meinungen und unsere Vorurteile prägt? Medienwissenschaftler Michael Haller hat die Arbeits- und Wirkweise der sogenannten Mainstreammedien während vieler Jahre untersucht. Er kam zum Schluss, dass Schlagworte wie „Lügenpresse“ und „Fake News“ in die Irre führen. In seinem Vortrag zeigt er am Beispiel aktueller Ereignisthemen die Funktionen wie auch Störungen der Medien auf – und gibt Hinweise, was wir Bürger tun sollten, damit wir uns über das aktuelle Geschehen zutreffend ins Bild setzen können.

Zum Dozenten:
Haller studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Universität Basel die Fächer Philosophie, Sozial- und Politikwissenschaften. Haller war 25 Jahre als Reporter und Redakteur in leitenden Funktionen in verschiedenen Pressemedien des deutschen Sprachraums tätig (insb. Basler Zeitung, Weltwoche, Der Spiegel, Die Zeit).

Im Frühjahr 1993 folgte er einem Ruf an die Universität Leipzig. Dort leitete er bis zu seiner Emeritierung Ende 2010 den Lehrstuhl I für Journalistik. Daneben ist er Wissenschaftlicher Direktor des gemeinnützigen Instituts für Praktische Journalismusforschung (IPJ) in Leipzig, das Forschungen zum Thema Journalismus- und Medienqualität betrieb, sowie Studiengangsverantwortlicher für den Masterstudiengang New Media Journalism an der Leipzig School of Media gGmbH. Von 2014 bis 2016 war er als Gesamtleiter Forschung für die Hamburg Media School (HMS) tätig mit den Schwerpunkten Medienqualität und Mediennutzung in Zeiten des Medienwandels.

Zu seinen Forschungsgebieten gehört die Redaktions- und Qualitätsforschung (Schwerpunkt Printmedien und Online); journalistische Methoden und Darstellungsformen sowie Medienethik und Journalismustheorie.

Freitag, 09. Februar 2018: »Künstliche Intelligenz – Zwischen Realität und Science Fiction«

Prof. Dr. Jürgen Gall
»Künstliche Intelligenz – Zwischen Realität und Science Fiction«
Freitag, 09. Februar 2018, 19:00 Uhr c.t.
Neu Universität Heidelberg, Universitätsplatz 1, Hörsaal 14

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Prof. Dr. Jürgen Gall

Zum Vortrag:
Künstliche Intelligenz wurde in den letzten Jahren zu einem Schlagwort, das von Medien, Unternehmensberatern, und PR-Abteilungen gerne verwendet wird. Während kritische Stimmen den aktuellen Rummel nur als alten Wein in neuen Schläuchen bezeichnen, prophezeien andere, dass künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz bald überflügeln wird und dies gleichbedeutend sei mit dem Ende der Menschheit. Die aktuellen Fortschritte im Bereich Künstliche Intelligenz beziehen sich in erster Linie auf das maschinelle Lernen und dessen Anwendung zum Beispiel im Bereich der Bildanalyse oder Sprachverarbeitung. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung im Bereich des maschinellen Lernens mit Anwendung im Bereich der Bild- und Videoanalyse. Ziel ist es zu vermitteln, was schon oder demnächst möglich ist und was eher im Bereich Science Fiction liegt.

 

Zum Referenten:
Professor Jürgen Gall studierte Mathematik in Mannheim und Großbritannien und promovierte in Informatik in Saarbrücken. Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Computer Vision Laboratory der ETH Zurich war er Senior Research Scientist am Max Planck Institut für Intelligente Systeme und ist seit Juni 2013 Professor an der Universität Bonn. Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit dem deutschen Preis für Pattern Recognition im Jahr 2014 ausgezeichnet und 2017 in Venedig durch eine Marr Prize Honorable Mention geehrt.

Dienstag, 16. Januar 2018: »WIRTSCHAFTSPROGNOSEN – WIE HILFREICH SIND KONJUNKTURMUSTER?«

Jun. Prof. Dr. Jonas Dovern
»Wirtschaftsprognosen – Wie hilfreich sind Konjunkturmuster?«
Dienstag, 16. Januar 2018, 19:00 Uhr c.t.
Kirchhoff Institut für Physik (KIP), INF 227, Hörsaal 2

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Jun. Prof. Dr. Jonas Dovern

“Konjunkturzyklen folgen gewissen Mustern. Lassen sich diese Muster für die Konjunkturprognose nutzen? D.h. sind sie so regelmäßig und stabil, dass sie mit quantitativen makroökonomischen Modellen abgebildet werden können? Der Vortrag geht dieser Frage nach und stellt Überlegungen dazu an, ob die Verfügbarkeit von “Big Data” in Zukunft helfen kann, mehr und stabilere Konjunkturmuster zu entdecken und für Vorhersagen auszunutzen.”

Zum zweiten Vortrag der Reihe „Muster“ möchten wir Euch somit recht herzlich einladen. Diesmal freuen wir uns Jun. Prof. Dr. Jonas Dovern begrüßen zu dürfen. 

Dovern studierte Ökonomie ist Maastricht, promovierte 2009 im Bereich der quantitativen Ökonomie in Kiel und ist seit 2014 Juniorprofessor in Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind im Bereich wirtschaftlicher Vorhersagen und Erwartungen, sowie Interaktionen von Gewerben mit den Finanzmärkten.  

Der Eintritt ist wie immer frei!

Donnerstag, 14. Dezember 2017: »STRUKTUREN IM UNIVERSUM«

Prof. Björn-Malte Schäfer
»Strukturen im Universum«
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 19:30 Uhr
Mathematikon, Hörsaal 0.205

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Es ist uns eine Freude den Heidelberger Prof. Björn Malte Schäfer mit seinem astrophysikalischen Vortrag „Strukturen im Universum“ als ersten Referenten der Reihe im Interdisziplinäre Forum willkommen zu heißen. Prof. Schäfer studierte Physik in Heidelberg, Edinburgh und Tokio, habilitierte 2012 in Heidelberg und beschäftigt sich mit verschiedenen Strukturen im Universum, wie z.B. Galaxiehaufen. Zum Vortrag selbst: „Das Universum ist auf fast allen Skalen strukturiert, insbesondere sind Galaxien nicht zufällig verteilt, sondern bilden die kosmische groß-skalige Struktur. In dem Vortrag werden Beobachtungen der Struktur der Milchstraße, der Verteilung der Galaxien und schließlich Strukturen im kosmischen Mikrowellenhintergrund besprochen, die zu der Konstruktion des kosmischen Standardmodells und der Vorstellung geführt haben, dass die meiste Materie im Universum in Form nicht mit Licht wechselwirkender dunkler Materie vorliegt.”

Wie immer ist der Eintritt frei.

Das IDF-Team freut sich, Sie und Euch bei den Vorträgen willkommen zu heißen.

Unsere neue Vortragsreihe zum Thema: “MUSTER”

Ein neues Semester, eine neue Vortragsreihe.

Das Interdisziplinäre Forum Heidelberg hat wieder eine facettenreiche Vortragsreihe auf die Beine gestellt. Zum Thema „Muster“ gibt es eine Vielzahl spannender und fachübergreifender Fragestellungen. Deshalb haben wir renommierte Referenten aus den verschiedensten Gebieten nach Heidelberg eingeladen, um gemeinsam mit uns darüber zu fachsimpeln und zu diskutieren; Hier ein Ausblick auf die Themen, auf die wir uns dieses Semester freuen dürfen:

Astrophysik: Nach welchen grundlegenden Mustern ist das Universum aufgebaut und wie sind diese entstanden?

Ökonomie: Welchen Mustern und Regeln folgen Konjunkturzyklen und wie hilfreich sind solche Modelle bei Vorhersagen?

KI-Forschung: Algorithmische und digitale Erkennung von Mustern – Wie lernt eine Software?

Medien: Gibt es ein Muster, nach dem verschiedene Medien berichten und wie sieht ein solches aus?

Montag, 3. Juli: »Verschwörung, Öl & Bildungskrise — Wie Religionen extremistisch werden am Beispiel des sogenannten Islamischen Staates«

Dr. Michael Blume
»Verschwörung, Öl & Bildungskrise
— Wie Religionen extremistisch werden am Beispiel des sogenannten Islamischen Staates«
Montag, 3. Juli 2017, 19 Uhr c.t.
Neue Universität, Hörsaal 04

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Dr. Michael Blume

Die Politikwissenschaft spricht von Extremismus, wenn eine Bewegung die Geltung der Menschenrechte bestreitet und freiheitlichdemokratische Grundordnungen abschaffen bzw. verhindern möchte. Neben rechts- und linksextremistischen Strömungen erlebten ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch religiöse Extremisten vor allem im Bereich des Islam erheblichen Zulauf. In seinem Vortrag stellt der Religions- und Politikwissenschaftler Dr. Michael Blume die Entwicklung des sog. “Islamismus” (des islamisch legitimierten Extremismus) dar und benennt als Hintergründe vor allem die islamische Bildungskrise ab 1485, den in der Folge aufkommenden Verschwörungsglauben und die in der arabischen Welt weit verbreitete Rentierstaatlichkeit aufgrund reicher Erdölvorkommen.

Lassen wir uns von Dr. Blume in dieses hoch relevante Spannungsfeld einführen und anschließend gemeinsam darüber diskutieren!

Zum Referenten:

Michael Blume ist Religionswissenschaftler, scilogs-Blogger und Buchautor. Der Referatsleiter im Staatsministerium Baden-Württemberg leitete das Sonderkontigent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak. Dabei kam er in direkten Kontakt mit den Verheerungen, die der sog. islamische Staat im Nahen Osten anrichtete und noch immer betreibt.

 

Freitag, 16. Juni: »Krankheit und Gesellschaft«

Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz
»Krankheit und Gesellschaft«
Freitag, 16. Juni 2017, 19 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 04

Prof. Dr. Andreas Heinz
Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz

In Ihrer Arbeit „Krankheit als Metapher“ hat Susan Sontag die Projektion gesellschaftlicher Konstellationen auf Krankheitsbilder beschrieben. War das gesellschaftliche Ideal des 19. Jahrhunderts die rationale Akkumulation von Ressourcen, so galt damals die Tuberkulose als unmoralische (Selbst-) Verschwendung, während sich Ängste bezüglich ungezügelten Wachstums zu Ende des 20. Jahrhunderts in militärischen Metaphern für den Umgang mit Krebserkrankungen ausdrückten. In diesem Kontext werden immer wieder psychische Erkrankungen thematisiert, da hier (oft unreflektiert) davon ausgegangen wird, dass gesellschaftliche Normen und insbesondere statistische Häufigkeiten darüber entscheiden, was als krank oder gesund gelten könnte. Alternative Ansätze versuchen, Krankheit nicht als aus der Norm fallend und deshalb seltene Zustände zu beschreiben, sondern auf die Einschränkung generell lebenswichtiger Funktionsfähigkeiten und des damit verbundenen individuellen Schadens zu verweisen. Auch hier sind idealtypische Normbegriffe im Spiel, allerdings im Bereich der gesamten Medizin und nicht mit Bezug auf statistische Häufigkeiten. Damit ergibt sich die Frage, in wie weit ein solcher Krankheitsbegriff ebenfalls missbraucht werden kann, um gesellschaftliche Normen in Bezug aus Sorgfalt oder Selbstsorge zu verankern und Abweichungen davon zu pathologisieren.

1988 promovierte Prof. Heinz zum Thema “Regression bei Schizophrenen – ein pathogenetischer Begriff im historischen Wandel” an der Universität Bochum. Im selben Jahr erhielt er die Approbation von der Ärztekammer Berlin. Darauf folgte die Facharztausbildung in Neurologie an der Neurologischen Universitätsklinik Bochum. Von 1988-1994 studierte er Philosophie an der FU Berlin und der Universität Bochum mit dem Abschluss des Magister artium. Es folgte bis 1997 das Studium der Anthropologie ebenfalls an der FU Berlin und der Howard University in Washington DC. Zeitgleich beendete er seine Facharztausbildung in Psychiatrie 1995 an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der FU Berlin. 2014 beendete er seine philosophische Disseration zum Thema “Der Begriff der psychischen Krankheit” am Institut für Philosophie an der Universität Potsdam. Von 1997- 1998 war er Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik der Uni Bochum und habilitierte sich 1998 im Fach Psychiatrie an der FU Berlin mit dem Thema “Das dopaminerge Verstärkungssystem – Funktion, Verbindung zu anderen Neurotransmittersystemen und pathopsychologische Korrelate”. Von 1998-1999 erhielt er eine Freistellung zur Fortbildung in Sozialmedizin und zum Aufbau der Neurologischen Fachklinik Feldberg/MV in der Position des Chefarztes. 2000 erhielt er die Berufung auf die C3-Professur für Suchtforschung an der Uni Heidelberg. Von 1999-2002 war er leitender Oberarzt der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin. Seit 2002 ist Prof. Heinz Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, am Universitätsklinikum Charité, Campus Mitte in Berlin. Im Wintersemester 2014/2015 hat Andreas Heinz die Karl-Jaspers-Gastprofessor an der Universität Oldenburg übernommen.